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Christentag in Österreich
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Christentag-Gottesdienst im Wiener Stephansdom

(KAP) "Lass uns die Fremden ansehen und in ihnen Jesus, deinen Sohn, erkennen", sagte die evangelische Pfarrerin Christine Hubka am Sonntag, 28.11., im Wiener Stephansdom in ihrer Predigt beim ökumenischen Vespergottesdienst, der den Höhepunkt des gesamtösterreichischen "Christentages" bildete. Unter Hinweis auf das Motto des "Christentags" - "Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unserer Zeit" - betonte Christine Hubka die Bitte an Gott, den Christen zu helfen, die Probleme der Menschen richtig zu sehen, nicht mit einem "gnadenlosen" Blick, sondern im "Licht der Gnade Gottes". Unter anderem formulierte die Pfarrerin auch: "Lass uns in den geborenen und ungeborenen Kindern und in ihren Müttern deine Menschen sehen, denen du einen guten Platz in deiner Welt zugedacht hast".

Der scheidende Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich und Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos verwies in seiner Predigt im Stephansdom auf das kommende "ökumenische Sozialwort", mit dem die Kirchen in Österreich angesichts der grossen gesellschaftlichen Herausforderungen ihre gemeinsame Verantwortung zum Ausdruck bringen wollen.

Metropolit Staikos erinnerte daran, dass Gott die Menschen mit Freiheit und Verstand, mit guten Eigenschaften und Gaben ausgerüstet habe. Der Mensch habe aber seine Freiheit mißverstanden. Trotzdem habe Gott den Menschen nicht allein gelassen, und seinen Sohn zu den Menschen geschickt. "Gott ist das Licht des Lebens", sagte der Metropolit wörtlich.

Im Verlauf des Wortgottesdienstes segneten Amtsträger aller Kirchen - jeweils zu zweit - an verschiedenen Plätzen im Dom die anwesenden Gläubigen. So wirkten Kardinal Christoph Schönborn und der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos zusammen, aber auch Kardinal Franz König und der evangelisch-lutherische Bischof Herwig Sturm. Weihbischof Helmut Krätzl erteilte den Segen gemeinsam mit dem armenisch-apostolischen Erzbischof Mesrob Krikorian, Weihbischof Alois Schwarz gemeinsam mit dem methodistischen Superintendenten Helmut Nausner. Nach dem Segen stellten äthiopisch-orthodoxe Christen - wie es es der Tradition ihrer Kirche entspricht - zu Trommelklang im Stephansdom einen Psalm tänzerisch dar.

Superintendent Horn: Typisch evangelisch ist nicht antikatholisch
Statio zum Christentag in der Wiener Lutherischen Stadtkirche

(epd Ö) „Typisch evangelisch ist nicht antikatholisch". Das erklärte der Wiener Superintendent Mag. Werner Horn bei der evangelischen Statio in der Lutherischen Stadtkirche am Sonntagnachmittag. Auf dem Weg zur ökumenischen Vesper im Stephansdom, die den Abschluss des Christentags bildete, hatten verschiedene Wiener Kirchen der Innenstadt zu Veranstaltungen eingeladen. Im Mittelpunkt der evangelischen Statio stand das Thema „Typisch evangelisch", das auf unterhaltsame Weise herausgearbeitet wurde.
Mitgestaltet wurde die Veranstaltung vom Kabarett der „Floridsdorfer Kirchengfraster" (Michael Bünker, Sissy Kocner und Karl Weinberger) sowie von Gabriele Lang-Cedik und Leo Warzecha. „Verantwortlich und fantasievoll an der Gestaltung der Gesellschaft mitwirken, deutlich Stellung beziehen zur sozialen und politischen Situation" sowie eine grundsätzliche Dialogbereitschaft sind für den Wiener Superintendenten typisch evangelische Merkmale. „Evangelisch sein heißt, gegen jegliche Diskriminierung, Ausgrenzung und Verletzung der Menschenwürde einzutreten", sagte Horn. Zur evangelischen Identität gehöre auch die Einbindung möglichst vieler Menschen in die Entscheidungsprozesse der Kirche. Als „evangelische Aufgabe" sieht Horn auch das Eintreten für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags, der für den Lebensrhythmus des Menschen unverzichtbar sei. Evangelisch sein bedeute auch, so der Superintendent, um die Möglichkeit
des Scheiterns in menschlichen Beziehungen zu wissen. „Barmherzigkeit und Vergebung muss vor kirchliches Recht gestellt werden", forderte Horn.

Oberösterreich: Christen sollen "Beispiel der Solidarität" geben
Katholischer Bischof Aichern bei Versöhnungsgottesdienst von sieben christlichen Kirchen

(KAP) Die Versöhnung der Kirchen im Sinn einer "Gemeinschaft in Vielfalt" sei die Voraussetzung dafür, dass der Einsatz der Christen in den Anliegen der heutigen Welt glaubwürdig ist. Dies betonte der Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern beim oberösterreichischen "Christentags"-Gottesdienst im Dom der Landeshauptstadt. "Wir müssen noch mehr als bisher das Licht Christi als Licht für die Welt erfahrbar machen", sagte Aichern: "Wir müssen zeigen, dass Gott alle Menschen liebt, dass Sprachen, Rassen und Nationen keine Trennungen bewirken dürfen". Es sei Aufgabe der Christen, durch ihr Eintreten "für die Armen, für die an den Rand Gedrängten, für die Fremden und in ihren Lebensgrundlagen Gefährdeten ein ansteckendes Beispiel der Solidarität zu geben".

An dem "Christentags"-Gottesdienst wirkten sieben christliche Kirchen mit: neben der katholischen Kirche auch die evangelisch-lutherische und die evangelisch-reformierte Kirche, die altkatholische Kirche, die serbisch-orthodoxe Kirche, die methodistische Kirche und die Baptistengemeinschaft. Der Gottesdienst stand im Zeichen der Solidarität unter den Menschen, der Versöhnung der Völker, der Gerechtigkeit als Grundlage des Friedens und der Versöhnung der Kirchen.

Bischof Aichern erinnerte daran, dass das Bemühen um die Einheit der Christen schon viele Fortschritte aufweisen könne. Alle Christen verbinde das Wort Gottes in der gemeinsamen Bibel, das gemeinsame Gebet des Herrn, die eine Taufe und die gemeinsame Hinwendung zum einen Herrn Jesus, der alle in seinen Dienst und in seine Nachfolge berufen habe. Die Christen müssten aber ehrlich bekennen, "dass wir der Welt das Zeugnis der solidarischen Einheit und des wirksamen Einsatzes für Gerechtigkeit und Frieden oft schuldig geblieben sind".
Steiermark: Neues Ökumene-Forum gegen jede Form von Rassismus
"Ökumenisches Forum christlicher Kirchen" konstituierte sich im Grazer Landhaus

(KAP) Mit einer Erklärung zu brisanten Themen der Zeit - Rassismus, Sonntags-Aushöhlung, Euthanasie, Abschottung Europas - ist das neugegründete "Ökumenische Forum christlicher Kirchen in der Steiermark" am Freitag an die Öffentlichkeit getreten. Anlass war der "Christentag 1999", der am Freitagabend beginnt. Das neue Ökumene-Forum ist die Nachfolgeorganisation des "Interkonfessionellen Arbeitskreises Ökumene in der Steiermark". Sein Vorsitzender ist der methodistische Pastor Wilfried Nausner; Stellvertretender Vorsitzender ist der Grazer katholische Dogmatik-Ordinarius Prof. Bernd Körner.

In der Erklärung zur Konstituierung des neuen Ökumene-Forums, die am Freitag im Rittersaal des Grazer Landhauses stattfand, heißt es wörtlich: "Wir nehmen die Ängste von Bewohnerinnen und Bewohnern unseres Landes ernst, treten aber jeder Stimmungsmache entgegen, die zu Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Ausgrenzung führt. Wir sind überzeugt, dass die Frauen und Männer unseres Heimatlandes schon oft ein Beispiel wirklicher Solidarität und Hilfsbereitschaft gegeben hat."

Zum Sonntagsschutz heißt es, der Vorrang der Person gegenüber wirtschaftlichen Interessen veranlasse den Zusammenschluss der Christen aller Konfessionen, jedem Bestreben, "den freien Sonntag Schritt für Schritt abzuschaffen", entschieden entgegenzutreten.

Gewarnt wird auch vor einer schrittweisen Akzeptanz der Euthanasie. Die bedingungslose Achtung vor dem Leben könne auch in Form der Unterlassung weiterer Hilfeleistungen "aus Kostengründen" in Frage gestellt werden.

In der Erklärung wird auch auf die konfessionelle Situation in der Steiermark eingegangen. Die Christen in Graz wüssten sich "in herzlicher Weise verbunden mit Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die dem Judentum angehören, und mit den muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern". Das Forum habe die Hoffnung, "dass auch die Anerkennung kleiner, aber sehr alter christlicher Kirchen wie der koptisch-orthodoxen Kirche in zufrieden stellender Weise geregelt werden kann". Die Kopten erhielten 1998 vom Kultusamt im Unterrichtsministerium - ebenso wie die "Zeugen Jehovas", die Bahais, die Baptisten, der "Bund evangelikaler Gemeinden", die Anthroposophen, die Pfingstler und die Adventisten - die Rechtspersönlichkeit einer "religiösen Bekenntnisgemeinschaft" zuerkannt. Nach Ansicht der Kopten stünde ihnen jedoch ebenso wie den anderen orientalisch-orthodoxen Kirchen -Armeniern und Syrisch-Orthodoxen - der öffentlich-rechtliche Status zu.

Der Grazer evangelische Pfarrer Othmar Göhring sieht durch das neu geschaffene "Ökumenische Forum christlicher Kirchen in der Steiermark" mehr Möglichkeiten, die gemeinsame Verantwortung der christlichen Kirchen auch im neuen Jahrtausend zu unterstreichen und eine verbindliche und zeitgemäße Struktur der ökumenischen Zusammenarbeit zu gewährleisten. Im neuen Forum sind die katholische, die altkatholische, die evangelisch-lutherische, die evangelisch-methodistische, die griechisch-orthodoxe und die koptisch-orthodoxe Kirche vertreten.

"Ökumenischer Kirchenspaziergang"

Die Kirchen in Graz veranstalteten am ersten Adventsonntag aus Anlass des "Christentags" einen "Ökumenischen Kirchenspaziergang". Treffpunkt war die Dreifaltigkeitskirche in der Sackstraße. Der Spaziergang führte in Kirchen verschiedener Traditionen in der Grazer Innenstadt. Mit einer besinnlichen Adventstunde im Grazer Landhaushof klang der Nachmittag aus.

St. Pölten: Christliche Kirchen präsentierten sich gemeinsam

(KAP) "Dieser Tag ist ein Zeichen, daß Christen aus den verschiedenen Konfessionen an der Schwelle zum dritten Jahrtausend gemeinsam unterwegs sind", erklärte Ordinariatskanzler Gottfried Auer beim "Christentag" auf dem Rathausplatz in St. Pölten am Samstag, 27.11. . Katholische, evangelische, altkatholische und methodistische Kirche präsentierten sich gemeinsam in einem Zelt vor der Franziskanerkirche. Stündlich wurde über Aktionen wie "Trans-fair", die Emmausgemeinschaft (die sich Obdachloser annimmt), Initiativen für die Umwelt, für die Versöhnung der Völker usw. informiert. Zahlreiche St. Pöltner waren interessierte Besucher.

An die Besucher wurden kleine "christliche Überlebenspakete" mit symbolischem Inhalt ausgeteilt. Dazu gehörten eine kleine Kerze als Symbol der Hoffnung, Samenkörner als Symbol des Lebens und Bibelsprüche, die den Menschen auf dem Weg in die Zukunft begleiten und einen Anstoß zum Nachdenken geben sollen. Der evangelische Superintendent Paul Weiland meinte: "Dieser Christentag ist ein Start in eine gemeinsame Zukunft, wo wir lernen werden, die Herausforderungen gemeinsam anzunehmen". Der altkatholische Pfarrer Christian Halama und der methodistische Pastor Wolfgang Grabensteiner bezeichneten den "Christentag" als "mutiges und positives Signal für St. Pölten". St. Pölten: Christliche Kirchen...(2)

Adventkranz als "ökumenische Erfolgsgeschichte"

"Die Geschichte des Adventkranzes ist eine "ökumenische Erfolgsgeschichte", sagte Ordinariatskanzler Gottfried Auer bei der ökumenischen Adventfeier in St. Pölten im Rahmen des "Christentages". Vor etwa 150 Jahren sei der Adventkranz in Norddeutschland als Brauch in der evangelischen Kirche entstanden. Im katholischen Schlesien wurde er in den zwanziger Jahren eingeführt. Zehn Jahre später war er in weiten Teilen Deutschlands gebräuchlich und nach dem Zweiten Weltkrieg in allen christlichen Kirchen im deutschen Sprachraum.

Superintendent Paul Weiland wies in seiner Ansprache hin, dass Christen an der Schwelle zum neuen Jahrtausend wieder lernen müssten, "Gott Mensch werden zu lassen". Weil Gott in die Welt gekommen ist, seien die Christen auf die Welt verwiesen, und weil er Mensch geworden ist, seien sie auf die Menschen verwiesen. So ist Christsein "ein Geben und Empfangen" von Friede, Gerechtigkeit, Verzeihung und Versöhnung. Die Christen wissen sich nicht einem Schicksal ausgeliefert, da ihr Leben in der Hand Gottes liege. Sie brauchen sich daher auch nicht aus Angst vor dem neuen Jahrtausend verbunkern, unterstrich Weiland.

Kärnten: "Kirchen haben mehr Gemeinsames als Trennendes"
Lichtfeier und Wortgottesdienst in Klagenfurt - Gemeinsame Erklärung der Repräsentanten der christlichen Kirchen in Kärnten=

(KAP) Die Unterschiede zwischen den christlichen Kirchen dürfen nicht "leichtfertig eingeebnet" werden, alle Christen müssten sich vielmehr "offen halten für die Fülle der Wahrheit, die von Jesus Christus ausgeht": Dies betonte der Kärntner Diözesanbischof Egon Kapellari am Freitagabend beim "Kärntner Christentag" in Klagenfurt. Bischof Kapellari unterstrich zugleich, dass die christlichen Kirchen viel mehr gemeinsam haben als was sie voneinander unterscheidet. Gemeinsam seien Taufe, Bibel und "zuerst und zuletzt Jesus Christus als Herr und Heiland". Die Lichtfeier im Landhaushof und der anschließende Wortgottesdienst im Klagenfurter Dom standen unter dem Motto "Die Schwelle in ein neues Jahrtausend überschreiten". Gemeinsam mit Bischof Kapellari leiteten der evangelisch-lutherische Superintendent Joachim Rathke, der altkatholische Pfarrer Erich Ickelsheimer und der serbisch-orthodoxe Pfarrer Ljubomir Radovanov die Feier.

Superintendent Rathke wies in seiner Ansprache daraufhin, dass vor Gott alle Menschen "gleich wichtig und gleich wertvoll" sind. Daher dürften auch Menschen, die Hilfe brauchen, nicht abgewiesen werden. Flüchtlinge und Asylwerber hätten ebenso ein Recht auf Hilfe wie die Armen im Land. "Wenn die Armut wächst, ist die Demokratie gefährdet, weil der Glaube an die Gleichwertigkeit der Menschen schwindet", so Superintendent Rathke.

Im Dom verlasen die vier Repräsentanten der christlichen Kirchen eine gemeinsame Erklärung, in der daran erinnert wird, dass Christus die Einheit seiner Kirche wolle. Die Kirche sei aber seit langem zerteilt durch menschliches Versagen. "Wir wollen nicht richten über jene, die in Jahrhunderten dieses Spaltungen verursacht haben. Wir wollen, jeder an seinem Platz, dazu beitragen, dass diese Spaltungen überwunden werden", heißt es in der gemeinsamen Kärntner Erklärung. Die christlichen Kirchen suchten nicht eine oberflächliche Einheitlichkeit, sondern eine "Einheit in Wahrheit und Liebe". In diese Einheit könne die "Fülle der geistlichen Reichtümer aller Kirchen" eingebracht werden, "ohne dabei die Heimat in der eigenen Tradition aufgeben zu müssen". Diese Einheit beruhe nicht "auf billiger Anpassung an Zeitgeist und öffentliche Meinung", sondern wachse aus dem Blick auf Jesus Christus. In der Erklärung wird auch für das ökumenische Zusammenwirken zur Linderung aller Arten von sozialer Not plädiert.
Voralberg: Katholische Diözese richtete Ökumene-Kommission ein

(KAP) In der katholischen Diözese Feldkirch wurde - rechtzeitig zum "Christentag" - eine Ökumene-Kommission eingerichtet. Bisher hatte es in der Vorarlberger Diözese keine solche Kommission gegeben. Die Kommission besteht aus sieben Mitgliedern (Frauen und Männer, Geistliche und Laien) und soll die ökumenische Arbeit in Vorarlberg fördern. Damit will die Diözese Feldkirch ein Zeichen setzen, dass ihr die Ökumene, also die Versöhnung zwischen den christlichen Kirchen, ein ernsthaftes Anliegen ist. Anlässlich des "Christentags" finden auch in Vorarlberg am Samstag und Sonntag eine Reihe ökumenischer Gottesdienste statt.

Die katholische Kirche in Vorarlberg will ernsthaft die Partnerschaft mit den kleineren Kirchen, heißt es in einer Erklärung der Pressestelle der Diözese Feldkirch. Die Ökumene-Kommission möchte ein gegenseitiges Kennenlernen der Kirchen und die Wertschätzung der Kirchen untereinander fördern.

Primäre Aufgabe der neuen Kommission ist es, das ökumenische Bewusstsein innerhalb der katholischen Kirche zu stärken. Gerade weil die römisch-katholische Kirche in Vorarlberg bei weitem die stärkste christliche Kirche darstellt, werde das Anliegen der Ökumene oft nicht genügend wahrgenommen, wird in der Erklärung der Pressestelle betont. Doch sei die Trennung der christlichen Kirchen auch dort ein Ärgernis, wo sie "nicht alltäglich offensichtlich" wird.
Wien: Neue ökumenische Bibelausstellung eröffnet

(KAP) Die Konzilsgedächtniskirche in Wien-Lainz ist die erste Station der neuen mobilen "ökumenischen Bibelausstellung". Die Ausstellung wurde aus Anlass des "Christentags" im benachbarten Kardinal-König-Haus von Weihbischof Helmut Krätzl und dem evangelischen Superintendenten Paul Weiland am Freitag, 26.11., feierlich eröffnet. Für die Ausstellung, die auch im säkularen Bereich gezeigt werden soll, zeichnen das Österreichische Katholische Bibelwerk und die Österreichische Bibelgesellschaft gemeinsam verantwortlich.

Bischof Krätzl erinnerte bei der Eröffnung daran, dass die Besinnung auf die Bibel die getrennten Christen in den letzten Jahrzehnten zusammengeführt hat. "Die Bibel einigt uns zutiefst", betonte Krätzl, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Bibelarbeit verantwortlich ist. Die Bibel entfalte bis heute große Wirkung auf Kunst, Kultur und Sinndeutung des menschlichen Lebens. Das Zweite Vatikanische Konzil habe die Katholiken die Bibel neu entdecken gelehrt, durch das Konzil sei die Bibel zum Fundament von Theologie und Verkündigung geworden.

Superintendent Weiland, der Präsident der Bibelgesellschaft ist, verwies darauf, dass es heute immer schwieriger sei, die Menschen erfahren zu lassen, was für ihr Leben gut und richtig ist. Um so notwendiger sei es, das Wort der Bibel anschaulich zu machen und die Menschen auf unkonventionelle Weise mit der freimachenden Liebe Gottes zu konfrontieren.

Die neue ökumenische Bibelausstellung versucht, in die Zeit der Bibel "über zu setzen", um den Text richtig für die Gegenwart zu übersetzen. Das geographische, historische und kulturelle Umfeld der Bibel wird auf vielfältige Weise erschlossen. Unter anderem vermitteln drei orientalische Zelte, Pflanzen und Gewürze aus dem Nahen Osten Atmosphäre; für Kinder ist ein eigener spielerischer Zugang vorgesehen.

Die Ausstellung wird bis 17. Dezember in der Konzilsgedächtniskirche bleiben und dann auf Wanderschaft durch Österreich gehen.
Noch nicht gemeinsam am Tisch des Herren, dennoch geeint in Liebe und Weltverantwortung

Bei einem Symposion zum Christentag beschrieben Kirchenvertreter ihre Ökumenekonzepte


(epd Ö) Mit den römisch-katholischen und lutherischen Unterschriften unter die Gemeinsame Erklärung zu Rechtfertigungslehre "scheint mir sehr viel Neues entstanden zu sein". Das sagte der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Mag. Herwig Sturm, am 27. November 1999 bei einem ökumenischen Symposion, das anlässlich des Christentags 1999 vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich und dem kardinal
könig haus in Wien Lainz veranstaltet wurde. Der Bischof, der sich als "Freund" der Gemeinsamen Erklärung bezeichnete, nannte das Dokument eine Basis, aufgrund derer "die eine Kirche der anderen bescheinigt, dass das, was uns getrennt hat, heute nicht mehr trennt".

Bischof Sturm: Ende der ökumenischen Steinzeit

Sturm äußerte die Hoffung, dass mit der in dem Dokument angewandten Methode des "differenzierten Konsenses" auch andere ökumenische Probleme gelöst werden können. Im Klima zwischen den Kirchen sieht der lutherische Bischof das "Ende der ökumenischen Steinzeit" gekommen. Vor zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern der Ökumene, darunter Kardinal Dr. Christoph Schönborn und der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos, erinnerte Sturm an die ehemalige langjährige ORF-Hörfunksendereihe "Ökumenische Morgenfeier". Die tausend Sendungen seien an den Kirchen Österreichs nicht spurlos vorübergegangen. Sie seien für die Kirchen ein Anstoß von außen gewesen, sich in ihrem Verhältnis zueinander zu verändern. Auch die gute interkonfessionelle und interreligiöse Zusammenarbeit auf karitativem Gebiet hob der Bischof hervor.
Kritisch äußerte sich Sturm zum Stand der Diskussion um das Abendmahl. Es sei bedauerlich, dass die Kirchen noch immer nicht "gemeinsam am Tisch des Herrn sein" könnten. Allerdings werde auf den Ebenen der Gemeinden in dieser Richtung sehr viel gearbeitet, wenn auch ohne kirchenrechtliche Absicherung. „Ich bin froh, dass es diesen Ungehorsam gibt, aber er ist nicht die Lösung", sagte der Bischof.
Zur Frage der Ämter erklärte Sturm gegenüber den Vertretern der anderen Kirchen: "Wir können Ihnen hier dienen mit der Erfahrung des gesegneten Dienstes des Amtes der Frau."

Reformierter Oberkirchenrat Németh: Unterschiede zwischen den Kirchen sind weder Mangel noch Schuld

Zur Gelassenheit, in den Unterschieden zwischen den Kirchen weder Mangel noch Schuld, sondern Chancen der Bereicherung zu sehen, rief der reformierte Oberkirchenrat i.R. Mag. Balázs Németh auf. In Jesus Christus sei die Einheit bereits gegeben. Das befreie die Kirchen von der Sorge, die Einheit herstellen zu müssen. Befreit seien die Kirchen auch zu ökumenischem Handeln in der gemeinsamen Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Dies schaffe eine "Ökumene der Gemeinschaft". Németh berichtete: "Aus Erfahrung kann ich sagen, dass durch die zahlreichen ökumenischen Begegnungen unsere Kirche in vieler Hinsicht in ihrer Praxis ein
anderes Gesicht bekommen hat." Der reformierte Theologe warnte vor einer "Ökumene der Harmonisierungsversuche". Diese könne leicht zu Frustration und Resignation führen, "denn nach jedem ökumenischen Gipfelsieg können sich am Horizont neue Hindernisse auftun".

Superintendent Nausner: Entscheidendes Kriterium ist die Liebe

Dass die Liebe Vorrang vor Lehre, Struktur und Kirchenordnung habe, hob der methodistische Superintendent Helmut Nausner in seinem Statement während des Symposions hervor. Die Liebe zu Gott und zu den Menschen sei das entscheidende Kriterium der Einheit zwischen den Kirchen. Bei der
Einheit handle es sich nicht um das Werk von Menschen, sondern um eine Gabe Gottes, daher sei eine Übereinstimmung lediglich auf theologischem Gebiet keine Voraussetzung. Nur die Qualität geistlichen Lebens könne die ökumenische Bewegung tragen. "Wir möchten jeden Getauften, jede Getaufte zu einer angemessenen Antwort anregen und ermutigen", sagte der Superintendent, "die Aufforderung, uns gegenseitig zu Liebe und guten Werken herauszufordern, darf auch als freundliche Einladung verstanden werden, den Glauben emst zu nehmen".

Kardinal Schönborn: Kirchen im Westen verdanken der Ostkirche viel

Die Kirchen im Westen verdanken der Ostkirche sehr viele "wiederentdeckte Schätze", betonte Kardinal Dr. Christoph Schönborn. Viele Theologen des Westens, auch er persönlich, hätten in den letzten Jahrzehnten von der Wiederentdeckung etwa der östlichen Kirchenväter profitiert. Der Kardinal erinnerte daran, dass östliche Theologie, Spiritualität und Liturgie einen starken Einfluss auf die Entwicklung des Zweiten Vatikanischen Konzils genommen hätten. In seinem "persönlichen Zeugnis" nahm der Wiener Erzbischof bei dem Symposion auch zum christlich-jüdischen Verhältnis Stellung. Die Auseinandersetzung mit der Shoah habe die Christen ihre
jüdischen Wurzeln wiederentdecken lassen. "Uns trägt die Wurzel", meinte der Kardinal wörtlich. Zugleich zeigte sich Schönborn dankbar dafür, dass im Judentum das jahrhundertelange Schweigen über Jesus gebrochen wurde.

Bischof Bernhard Heitz: Ökumenisches Weltkonzil

Der altkatholische Bischof Bernhard Heitz plädierte für ein "ökumenisches Weltkonzil" aller christlichen Kirchen im 21. Jahrhundert. Das dritte christliche Jahrtausend werde ein "Zeitalter des Heiligen Geistes" mit einer starken Rückbesinnung auf den "Weg der alten Kirche" sein. Eine teilweise kritische Bilanz der ökumenischen Idee zog der Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos als scheidender Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich. Es sei beklemmend, welche "Interesselosigkeit und Teilnahmslosigkeit" mitunter zwischen den Kirchen spürbar sei. Wörtlich meinte der Metropolit: "Wir haben noch einen schwierigen und langwierigen Weg vor uns". Die Herausforderungen der Zeit und die gemeinsamen Aufgaben erlaubten keineswegs, "noch länger mit konkreten Taten zuzuwarten". Der armenisch-apostolische Erzbischof Mesrob Krikorian rief dazu auf, das von Papst Johannes Paul II. In der Enzyklika "Ut unum sint" gemachte Dialog-Angebot über den Primat des Papstes aufzugreifen. Dieses Angebot für einen "brüderlichen, geduldigen Dialog" sei sensationell gewesen, aber "unglückseligerweise nicht ernsthaft in Erwägung gezogen worden". Für Krikorian gibt es theologisch gesehen nur den Primat des Papstes, der die Einheit zwischen den Ost- und Westkirchen verhindere.


Nachrichten aus den Agenturdiensten von  KATHPRESS und epd Österreich

Träger des "Christentag 1999" ist der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich